Ich habe im Januar Geburtstag. Kaum sind die guten Vorsätze installiert – oder auch schon wieder vergessen – kommt die nächste Herausforderung. So zumindest empfinde ich es seit mindestens 10 Jahren, seit der Zeit, in der meine Jugend mehr und mehr in die Vergangenheit sinkt.
Ab jetzt werde ich alt. Was natürlich so nur halb stimmt. In gewisser Weise behalte ich die Hoheit über mein (gefühltes) Alter. Fast das Erste, was mir an meinem diesjährigen Geburtstag entgegen kam (das Erste war schöner Schnee auf den Bäumen) war ein Sarg. Eine Mitbewohnerin des Heims in dem auch mein Vater lebt, war in der Nacht gestorben. Ich dachte, ja, eigentlich passt es ganz gut, dass die Eltern, falls sie überhaupt noch leben, sich in der Zeit verabschieden, in der wir, die Kinder, selbst an der Schwelle des Alters stehen. So kann ich die Spanne ermessen, die mir auf der Welt noch bleibt (wenn kein Unfall oder eine schwere Krankheit dazwischen kommt), und ich kann mich mit meinem eigenen Tod schon einmal bekannt machen.
Es ist auch noch mal ein Anruf: Wenn du jetzt nicht die Dinge tust, die dir wichtig sind, wirst du sie verpassen.
Doch, es gab auch schöne Momente: Im Heim haben mir die Bewohner*innen ein Ständchen gebracht, im Büro hatten die Kolleg*innen Zeit für Kaffee und Kuchen und dann ging es erst zu einer und dann zu einer anderen Freundin, die mit mir den Nachmittag und den Abend teilten inklusive offener Gespräche und leckerem Essen. Denn hier kam schon der Vorsatz des Nicht-Tuns zum Einsatz: einmal keinen Geburtstag feiern, sondern den Tag so kommen lassen, wie er eben kommt. War schön. Und jetzt scheint in Berlin auch endlich mal wieder die Sonne. Was mir die ersten „alten Tage“ doch sehr verzaubert.
