Es gibt diese Geschichte vom Frosch, der in einem Glas schwimmend nicht merkt, wie die Wassertemperatur steigt, und der am Ende stirbt, weil er den Moment verpasst, aus dem für ihn zu heiß gewordenen Wasser zu springen. So ungefähr habe ich mich gefühlt, nachdem ich meine Brille – und dann noch meine Ersatzbrille – verloren habe, und zu unentschlossen war, endlich den Sprung zur Gleitsichtbrille zu wagen. Ich sah keine Konturen mehr, keine Überraschungen, steckte im Nebel und fühlte mich krass unmotiviert. Jetzt ist es aber nicht einfach so, dass die neue Brille Klarsicht bringt. Sie ist auf eine unerwartete Art eine Herausforderung, weil ja, – Menschen gucken nun mal aus wackeligen Köpfen. Kaum drehe ich mich ein wenig und gucke von unten schräg hoch oder von oben quer runter, schon wird es wieder unscharf. Gar nicht so einfach. Und in der Zwischenzeit hat sich die Unschärfe auch noch in mein Gemüt geschlichen. So wenig ich Spinnen mag, ihre Art, vorsichtig – quasi am seidenen Faden – das Terrain zu erkunden, Kanten zu ertasten oder Hindernisse mit ihren Beinen zu prüfen, so sehr sehe ich mich gerade genau damit beschäftigt: Mein Leben neu auszukundschaften, festen Boden zu finden, Auswege, freie Sicht, vielleicht sogar eine Start- und Landebahn für größere Abenteuer. Es heißt, es gebe immer wieder diese Einbrüche, und dass sie sogar nötig seien für gelegentliche Kurskorrekturen. Unschärfen, Nebel, verrutschte Konturen. Ich mag diese Zeiten nicht besonders, zumal ich, anders als Spinnen, keine Fäden habe, an denen ich mich zur Not aus dem Abgrund retten kann. Und mit der Geduld ist es bei mir auch nicht weit her. Obwohl mir das zumindest klar ist. Vor der Lösung, der offenen Sicht, dem neuen Weg steht das Aushalten von Unsicherheit. „Wer nicht schwimmt, kommt nicht ans Ufer.“ Klar. Aber auch Schwimmer*innen können untergehen. Schauen wir mal. Immerhin bin ich kein Frosch. Und draußen fliegen Gänse – will sagen: es gibt ja auch noch Ohren!

piri 8. Januar 2024
Warte es ab, du wirst dich recht bald an die Gleitsichbrille gewöhnen – sie hat den entscheidenden Vorteil, dass man nur eine auf der Nase hat. Wenn sogar mein (behinderter) Kerle das schafft, dann machst du das doch mit links!
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