Tatsächlich hatte ich das Wochenende zu einer Zeit gebucht, in der vom Umzug meines Vaters in meine Berliner Nachbarschaft noch nicht zu denken war. Als es soweit war, kam ich mir vor wie jemand, die sich still und heimlich von der Bühne schleicht. Nur halbwegs klar im Kopf und hier möchte ich ausdrücklich der Telefonistin der Berliner Volksbank danken, die mir, obwohl ich den entsprechenden Pin nicht wusste, mein Konto für die London-Tage freigegeben hat. Ich will mir gar nicht vorstellen, was anderenfalls gewesen wäre. Aber so kam mich mit dem Schreck davon und konnte schon am frühen Nachmittag ins British Museum gehen, in ein Lieblingsantiquariat und zum Abendessen. Nach dem ich müde und dankbar ins Bett gefallen bin.
London war die große Überraschung für mich im letzten Jahr. Ich bin halt hingefahren, weil ich die Museen auf meiner kunsthistorischen To-Do-Liste hatte. Und weil ich auch da mal eine Auszeit brauchte. Ich verliebte mich in die Stadt, doch auf dem neuerlichen Flug dorthin war ich mir plötzlich gar nicht mehr so sicher. Regen war angesagt und ich hatte so ziemlich gar nichts vorbereitet (dass ich die EC-Karte nicht freigeschaltet hatte, wusste ich zu dem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht). Wie erleichtert war ich, als bei der Landung zwar nicht fett die Sonne schien, es aber immerhin auch nicht goss, und ich in kürzester Zeit mein Hotel gefunden hatte.
Was mich gleich wieder froh machte, dass die Leute dort meist Lust auf ein Gespräch haben. Im Antiquariat habe ich mich dem Besitzer über Füchse unterhalten, beim Abendessen hatte ich eine Großmutter mit ihrer Enkelin am Nachbartisch, beim Frühstück im V&A saß ich mit einem Vater, seiner Tochter und ihrer Freundin am Tisch. Nicht, dass mein Englisch irgendwie flüssig wäre. Aber das stört meist niemanden. Und das gefällt mir so. Dass ich mal nix können muss, und trotzdem was geht.
Das Wetter wurde hochsommerlich. Aber die meiste Zeit war ich in Museen und habe mir die Augen ausgeschaut. Das war jetzt meine dritte Reise, bislang noch gab es jedes Mal etwas Neues. Das liegt natürlich auch daran, dass zum Herbstbeginn neue Ausstellungen starten, gefreut hatte ich mich auf die Diva-Ausstellung im V&A, aber richtig überrascht haben mit die Fotos, die Paul McCartney auf den Beatles-Touren 1963 und 1964 gemacht hat. Eine echte Sause.
Zwischendrin habe ich viel gegessen und viel geschlafen. Und als ich wieder zu Hause war, ging erst gar nichts mehr. Denn mein Kopf war voller Bilder. Und ich wusste gar nicht, womit anfangen im jäh wieder einsetzenden Alltag. Mittlerweile habe ich wieder in meine Routinen reingefunden. Und merke, wie sich die neuen Bilder zu neuen Ideen auswachsen. Und sollte von denen so gar nichts fruchten, habe ich mir einen tollen Schal mitgebracht, der mir im Herbst und Winter ganz bestimmt die Laune hebt.
