Mehr als eine Couch

Eigentlich ein genialer Schachzug – Patient*innen einzuladen, sich auf eine Couch zu legen. Denn wenn es „ums Eingemachte“ geht, ist nichts kontraproduktiver, als ein Kopf on top, oder der Verstand im Anschlag. Nichts gegen Verstand. Aber Gefühle oder Stimmungen lassen sich fürs Erste nicht verstehen. Sie sind flüchtig wie Wolken. Und es geht zunächst darum, sie überhaupt erst mal zu bemerken. Nö. Die Aufgabe ist gar nicht so einfach. Mir selbst geht es bei der alltäglichen Frage, wie es mir geht fast immer so, dass ich es nicht weiß. Wäre ich ehrlich, würde ich knapp antworten „Autopilot“, was auf rheinländisch so viel heißt wie „normal“. Was dann keine Lüge wäre. Aber auch keine Antwort. Denn wie es mir geht, erfahre ich morgens oft nur auf der Yogamatte, der kleinen Schwester der Couch für noch kleinere Wohnungen. Und für die Yogamatte nehme ich mir eher selten Zeit.Ich bereite gerade ein Interview mit einem Psychoanalytiker vor und bin deshalb schon mal in die Welt der Analyse eingetaucht. Ich denke auch viel über indigene Traumsichtungen oder -deutungen nach. Denn es scheint, dass Träumen stets die Fähigkeit zugesprochen wurde, den einzelnen Menschen mit der Welt oder gar dem Universum zu verbinden. Träumen und Liegen nicht als „Freizeit“ oder gar „Nichtstun“ zu verstehen, sondern als eine andere Art zu denken. Und wer dann als ältere Frau auch noch die Beine hochlegt oder mit den Zehen wackelt, hat gleich noch was für die Gesundheit getan. Eigentlich toll, oder?

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comment 1

  1. Avatar von Verwandlerin

    Verwandlerin 21. August 2023

    Ach ja, ich weiß noch, als ich mich damals durch die Werke von C.G. Jung gekämpft habe im Germanistikstudium, weil mich der Gedanke der Archetypen so gefesselt hat und immer noch fesselt. – Auf „Autopilot“ fahre/funktioniere ich auch oft. Und du hast Recht: Der Körper zeigt einem, wie es einem geht, empfinde ich ganz stark so. Alles Liebe und ein spannendes Interview!

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