Birgit von dem Blog „Sätze und Schätze“ hat mal wieder in die Runde gefragt: Welche persönlichen Literaturklassiker im Sinne einer wegweisenden Lektüre oder einer immer wieder neu unternommenen Lektüre denn im eigenen Regal stehe? Diese Frage und auch das leidige Platzproblem, dem auch in diesem Monat wieder einige Bücher zum Opfer fallen werden (nein, keine Sorge – geht alles an den Büchertisch und nicht in die Tonne), haben mich zu zwei Kandidaten geführt:
Ich griff noch einmal meinen Kinderbuchlieblingsklassiker „Kleiner König Kalle Wirsch“ und habe mit größtem Amüsement gesehen, dass der Gegenspieler Kalles ja jener legendäre Zoppo (Achtung:) Trump (!!!) war, dem durch die ebenso legendäre Kampfsportart „Schrumpfe“ der Garaus gemacht wurde. Ein Vorhersage??? Schön wär’s…
Als nächstes kam „Aus dem Leben eines Fauns“ dran, ein „Kurzroman“ von Arno Schmidt mit lediglich 164 Seiten (wer den Autor kennt…). Das war sicher so eines der merkwürdigsten Bücher, die ich damals gelesen habe. Zu Beginn des Studiums muss das gewesen sein und bis daher hatte ich eigentlich nur das gelesen, was in der Schule auf dem Plan stand. Ich weiß noch, wie überrascht ich war, gleich auf der ersten Seite – in dieser so eigenen und wirklich ungewöhnlichen Schmidtschen Diktion – las: Mein Leben?!: Kein Kontinuum (sondern) ein Tablett voll glitzernder Snapshots.
Wenn das mal keine weitere Vorhersage – diesmal für die Klunker – war! Nein, im Ernst. Schmidt schrieb sich da so um Kopf und Kragen, in einer Geschwindigkeit und doch genau gesetzt, dass ich aus dem Staunen nicht mehr raus kam. Alle Spießigkeit der Welt tauchte in ein Wunderland und die Bedrohung lief nur eine Handbreit nebenher (die Liebes-, Krimi- und Kriegserzählung spielt zwischen 1939 und 1944). Die Story schreitet mit kursiv gesetzten Gedanken fort. Eine tolle Idee, um dem Beschreiben von Hintergrund oder Handlung ein Schnippchen zu schlagen. – Nein, ich erinnere mich nicht mehr wirklich an die Geschichte oder an meine Lektüre. Ich weiß nur, dass diese Überraschung: Kein Kontinuum mich zutiefst traf, weil es genau das war, was ich in meinem Leben spürte, aber von dem ich immer geglaubt hatte, es sei falsch. Dort also gab es eine Figur – und eben offensichtlich auch einen Autor – die/der dieses Gefühl kannte und ganz cool für sich in Anspruch nahm. Nach diesem Buch jedenfalls sah ich die Welt anders. Und mich selbst darin. Einer der vielen Anfänge.

SätzeundSchätze 21. November 2016
Ein Tablett voller glitzender Snapshots … stünde da nun noch Tablet, könnte man zurecht behaupten, A.S. sei ein Visionär gewesen. Wobei ich mir überhaupt keine Vorstellung machen kann, wie er zu den „sozialen Medien“ gestanden wäre …das Leben eines Fauns, eine schöne Wahl. Danke Dir fürs Mit-Überlegen, ich bringe in den nächsten Tagen mal einen Beitrag über die #MeinKlassiker, die schon auf anderen Blogs kursieren – das freut mich sehr!
LG Birgit
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Stephanie Jaeckel 21. November 2016
Wenn ich an seine Zettelkästen denke,- doch, trotz aller Kauzigkeit, er hätte die Mitarbeit von Rechnern geschätzt – …!? – Ja, Deine Frage nach den Klassikern: vielleicht passt sie auch gerade so gut in die Herbstzeit, auf jeden Fall bin ich sehr angeregt und überlege, welche Bücher mir immer wieder etwas bedeuten. Danke noch einmal für Idee!
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SätzeundSchätze 21. November 2016
Stimmt, die Zettelkästen, das passt … !
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