Wer im Leuchtturm sitzt,

sollte keine Orientierung erwarten. Dennoch ist der Leuchtturm ein Sehnsuchtsort. Weil er Abgeschiedenheit verspricht und einen endlosen Blick aufs Meer. Seeleuten aller Zeiten mag ein Stein vom Herzen gefallen sein, wenn sie nach langen Überfahrten endlich wieder künstliches Licht und damit Land in Sicht bekamen.

Eine meiner ersten Erinnerungen überhaupt ist die an einen Leuchtturm an der Nordseeküste. Als Kind hatte ich Angst im Dunkeln. Nachts allein in einem fremden Zimmer zu sein, war eine echte Herausforderung. Wie erleichtert war ich, als ich sah, wie Lichtstreifen regelmäßig über die Wände zogen. Den Weg haben sie mir nicht gewiesen, aber beim nächtlichen Aufwachen schnelle Orientierung gegeben. Schade eigentlich, denke ich oft, dass wir in Berlin keinen Leuchtturm haben – keinen Leuchtturm mehr haben, muss es eigentlich heißen, denn als das Tempelhofer Feld noch in Betrieb war, gab es einen, für Flugzeuge, versteht sich. Er hatte nur ein Licht, aber wie sehr ich das mochte, wenn ich nachts auf dem Rad nach Hause fuhr. Am Rand der bekannten Welt sitzen und schauen, was kommt. Das geht sogar nachts auf der eigenen Fensterbank. Also dann, ahoi gents and Ladies! Die Nacht bricht an.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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