Nee. Da braucht man dieser süßen Zottellady bloß in die Augen zu sehen (grüne Gewitterblitze kündigen es an) – Gehorsam ist nicht so ihr Ding. Aufstehen und ins Körbchen gehen? Wozu das denn? Wo es auf dem Wohnzimmerkissen so gemütlich ist, selbst wenn der kantige Knochen unter einem liegt. Was? Wie? Immer noch ins Körbchen? Ich hab doch nun wirklich das bessere Argument. Guckt mich an, so eine schöne Kissenbekrönung kriegt Ihr nirgends. Nicht mal auf dem Kunstmarkt. Mal ehrlich. Da kann ich doch…? Und was für ein Körbchen überhaupt?
Dumm stellen hilft natürlich gar nichts. Taub werden schon eher. Denn Gehorsam hat was mit „hören“ zu tun Auch wenn dieses Hören eher befolgen meint, ist hören an sich schon mal eine wichtige Grundlage. Und dann? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Als ich klein war, klang „Gehorsam“ für mich äußerst verdächtig. Trotzdem habe ich Dinge getan, die meine Eltern oder Lehrer mir aufgegeben haben, manchmal weil ich keinen anderen Ausweg sah, manchmal, weil ich einsah, dass die Angelegenheit, in der ich Gehorsam zeigen sollte, unangenehm aber irgendwie korrekt war. Keine Ahnung, ob heute noch gehorsame Kinder erzogen werden. Die Sache hat mich nicht weiter beschäftigt. Ich wurde erwachsen und Gehorsam wurde mir kaum noch abverlangt. Oder vielleicht doch, versteckt? Ich bin stutzig geworden, seitdem das Jüdische Museum für eine Ausstellung/Installation plakatiert mit eben jenem Titel: „Gehorsam“. Tatsächlich, Gott fordert ihn immerzu, egal ob von Kindern oder Erwachsenen, von Jüdinnen und Juden, Christ/innen, Muslimen. Was aber soll das sein? Der Gehorsam. Und wer bin ich bei dieser Geschichte? Jemand, die Verantwortung übernimmt, die das Denken anderen überlässt und kein Rückgrat mehr hat oder die sich im größeren Kontext engagiert? Und bin ich mir selbst gehorsam, wenn ich gleich noch den Spül mache – oder bin ich dann nur eine eiserne Lady?
