Denkmal

Ob man Grabsteine als kleinste oder persönlichste Denkmalform benennen darf, möchte ich nicht behaupten. Doch sind sie Steine von Denkanstößen für die, die über einen Friedhof gehen, um Freunde oder Verwandte zu besuchen, Berühmtheiten oder bloß das frische Grün der Bäume. Was denn auf den eigenen Stein kommen, ob es überhaupt einen solchen geben soll, sind vielleicht einige der Gedanken, wer diese Menschen wohl waren, die ihre Geburtsdaten, Namen, einen letzten Gruß oder ein Versprechen für die Lebenden hinterlassen, andere. Und dann plötzlich das: weitermachen! Selten habe ich mich von einem Toten so angesprochen gefühlt. Einem, dem es offensichtlich weniger ums Jenseits ging, denn um die Zukunft.

Grabstein von Herbert Markuse auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 5

  1. Avatar von dirkheld

    dirkheld 26. April 2015

    Ja, das hallt nach. Mir ist sofort ein anderer, sehr leichtfüßiger und freundlicher Appell aus dem Jenseits in den Kopf gekommen.
    Den Erinnerungen von Soma Morgenstern zufolge hat Rudolf Geck, ein ebenso sympathischer wie redseliger Redakteur der Frankfurter Zeitung, die folgende Grabinschrift für sich entworfen:

    Hier ruht Geck,
    Ein Dichter,
    Geh weg,
    Sonst spricht er.

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  2. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 28. April 2015

    „Im Übrigen sind es immer die anderen, die sterben“ – Für diese Grabinschrift muss sich Duchamp sicher auch ein paar Gedanken gemacht haben. Schmunzeln auf dem Friedhof ist ja ein sehr erholsamer Moment. Aber gerade dieses „weitermachen“ hat mich so erwischt, weil ich in einer Angelegenheit gerade am liebsten die Flinte ins Korn werfen würde. Keine Frage, dass ich mich wieder drangesetzt habe – oder?!

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