Lieblingsstelle

Die Stelle ist markiert durch Erinnerung. Lieblingsstellen im Buch können durch eine eingeknickte Seite oder eine Randnotiz gekennzeichnet sein, die Stelle, an der ich das erste Mal die Stadt betreten oder einen erstaunlichen Fund gemacht habe, wo ich mit dem Fahrrad gestürzt, fast von einem Wildschwein umgeworfen worden oder knapp einer verfrühten Heirat entkommen bin: Hier ist sie! Hier und dort und dahinten, an der Bank! Texte und Orte verwandeln sich in Stellen, sobald ich sie durchstreife. Erinnerungen nisten hier oder da, je länger ich irgendwo bin, desto engmaschiger werden die Markierungen. Ist das so? Vermessen wir unsere Umgebung in Stellen und damit in erlebte – vielleicht sogar nur erträumte – Geschichten?

Die abgebildete Stelle ist real, aber nicht mehr an ihrem alten Ort. Sie ist der eine von zwei Containern der so genannten „Schaustellen“ auf dem Tempelhofer Feld, in denen der Berliner Senat letztes Jahr für die Randbebauung des ehemaligen Flughafens warb. Jetzt wächst offensichtlich Gras darüber.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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