Das Großraumbüro

hat Nachteile, geschenkt! Aber es hat auch Vorteile: wie dieser super-coole Clubsessel, der in Berlin so manche Nacht durchgemacht und seinen Altersruhesitz in unserer Etage genommen hat. Was der erzählen könnte! Und was ich erzählen könnte! Seit Beginn meiner freiberuflichen Arbeit sitze ich gemeinsam mit anderen an großen Tischen in noch größeren Räumen – und finde es (meist) prima. Ich habe seitdem immer eine Spülmaschine und eine Putzkraft gehabt, Kopierer, als sie noch unbezahlbar waren, einige Hunde und Katzen, leider auch einen Sommer voller Küchenmotten. An Konferenztischen kann ich mich mit meinen Kunden besprechen ohne vorher groß aufräumen oder sonstwie für Sauberkeit und Komfort sorgen zu müssen. Backende und kochende Kolleg/innen haben mir v.a. zu Beginn meines Arbeitslebens so manche Mittage zum Fest gemacht. Ein Balkon und ein flaches Dach gaben im Sommer tolle Orte ab. Besonders geholfen hat mir stets die konzentrierte Arbeitsatmosphäre in den Büros, vielen älteren Kolleg/innen verdanke ich alles mögliche: den höflichen Umgang am Telefon, eine bessere Zeiteinteilung, Recherchetipps, Rezepte, was sonst noch alles. Eine Freundin aus der Schweiz, die mich vor Jahren besuchte, staunte nicht schlecht: Denn was in Berlin – auch – aus der Not geboren wurde (welche Jobanfänger können sich eigene Büros leisten?), wäre in Genf oder Zürich eine unbezahlbare Edelunterkunft. Das war vielleicht das größte Aha-Erlebnis (gleich nach dem, dass ich mich vom Reden oder Telefonieren an anderen Tischen selten stören lasse): Dass auch vermeintlich Kompromisse ein echter Luxus sein können.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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