Das neue Jahrtausend

Von der Silvesternacht ins Jahr 2000 ist mir vor allem der dichte Nebel in Erinnerung geblieben. Berlin schien abgetaucht, Feuerwerk und die aufgekratzten Stimmen auf den Straßen waren nur zu hören. Nichts änderte sich per Glockenschlag, selbst die Uhren gingen weiter wie gewohnt.

Der Nebel lichtet sich. Und ich sehe Dinge, die es nicht ins neue Millenium geschafft haben. Wie der Bibliotheks-Zettelkasten. Unvorstellbar mittlerweile, mit solchen Ungetümen wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben. Wer gäbe mir die Zeit zurück, die ich mit dem Ausfüllen – ach was! dem doppelten Ausfüllen – von Leihscheinen verbracht habe?

Dennoch hat mich neulich die Melancholie gepackt. Gerade wegen der Zeit, die in solche Zettelkästen geflossen ist. Allein eine dieser proppenvollen Laden zu füllen, muss Wochen gedauert haben. Im Arbeitsalltag vermisse ich sie nicht. Ganz im Gegenteil. Aber sie werden mir fehlen, wenn sie eines Tages aus den großen Bibliotheken der Stadt verschwinden.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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