Von der Silvesternacht ins Jahr 2000 ist mir vor allem der dichte Nebel in Erinnerung geblieben. Berlin schien abgetaucht, Feuerwerk und die aufgekratzten Stimmen auf den Straßen waren nur zu hören. Nichts änderte sich per Glockenschlag, selbst die Uhren gingen weiter wie gewohnt.
Der Nebel lichtet sich. Und ich sehe Dinge, die es nicht ins neue Millenium geschafft haben. Wie der Bibliotheks-Zettelkasten. Unvorstellbar mittlerweile, mit solchen Ungetümen wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben. Wer gäbe mir die Zeit zurück, die ich mit dem Ausfüllen – ach was! dem doppelten Ausfüllen – von Leihscheinen verbracht habe?
Dennoch hat mich neulich die Melancholie gepackt. Gerade wegen der Zeit, die in solche Zettelkästen geflossen ist. Allein eine dieser proppenvollen Laden zu füllen, muss Wochen gedauert haben. Im Arbeitsalltag vermisse ich sie nicht. Ganz im Gegenteil. Aber sie werden mir fehlen, wenn sie eines Tages aus den großen Bibliotheken der Stadt verschwinden.

ultramarmedia 19. März 2015
oh ja, Leihscheine… wir hätten uns wenigstens einen Adress-Stempel machen können…
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Stephanie Jaeckel 19. März 2015
Da meldet sich die Pragmatikerin zu Wort! 😉 Aber warum ist man eigentlich (fast) immer erst hinterher schlauer?
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