Spätägyptische Literatur, so dachte ich, sei etwas fürs Fachpublikum. Wie überrascht war ich, rasante Abenteuerromane zu finden, mit allen bis heute üblichen Zutaten (sex and crime), spannend und die Leser/innen ins exotische Ausland führend, hier und da allerdings mit ungewissem Ausgang, da sich (noch) nicht alle Texte rekonstruieren lassen. Hingerissen bin ich von den stereotypen, aber sehr bildhaften Wendungen, mit denen große Gefühle beschrieben werden. So finden Männer und Frauen in den Geschichten keinen Ort auf Erden, auf denen sie sein können, wenn ihnen ein großes Unglück widerfährt. Oder wenn einer schlaflos vor Liebe bleibt, heißt es: Er konnte nicht Schlaf empfangen, wegen der Art des Liebens, die in seinem Herzens auf (die Frau) gerichtet war. (Zit. n.: Friedhelm Hoffmann, Joachim Friedrich Quak: Anthologie der demotischen Literatur. Berlin 2007. S. 55ff.)
