Wo ich gerne lese.

Ich dachte, die Sache sei ausgemacht. Als Lieblingsleseort galt mir mein Bett, die Lieblingslesezeit ein freier Morgen, auch die letzte halbe Stunde vor dem Einschlafen. Oder eine langsame Dämmerung mit Kerzenlicht. Aber schärfer nachgedacht, fielen mir ganz andere Orte und Plätze ein, öffentliche Räume vor allem, die mich zu Lesehöchstleistungen brachten, d.h. erstens zu Erinnerungsrekorden und zweitens zu Imaginations-glanzleistungen, Hochglanzleistungen geradezu, die darin bestanden, Gelesenes nahtlos in die (oft fremde) Umgebung zu hm, ja, was sagt man da – ? Visualisieren? Eine schöne Leseerfahrung machte ich letzten Herbst, wo ich vom Wartesaal im Flughafen bis zum Einschlafen zu Hause einen regelrechten Lesebogen geschlagen habe: Das Buch hatte mich über eine Routinereise gebracht und schenkte mir das Gefühl eines richtigen Urlaubs. Wo lese ich gerne? Um das herauszufinden, habe ich mir seit langem wieder ein Buch für unterwegs eingepackt.

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Avatar von Maren Wulf

    Maren Wulf 12. März 2015

    Jetzt, wo du es sagst (schreibst): Das Gefühl kenne ich auch, dass Lesen im öffentlichen Raum eine besondere Intensität gewinnen kann, obwohl es dort ja in der Regel wesentlich unruhiger ist als auf dem heimischen Sofa (Bett). Sehr interessant finde ich, was du über die Verknüpfung des Gelesenen mit der Umgebung schreibst. Ich denke, das trägt auch zur besseren Erinnerung des Gelesenen bei – dieses eine Buch an genau diesem Ort, nicht eines von den ungezählten auf dem Lieblingsleseplatz…

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  2. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 13. März 2015

    Bei Birgit von „Sätze und Schätze“ gab es neulich dieses Zitat, Autoren, die sich nicht (ich zitiere aus dem löchrigen Gedächtnis) aus ihrer Lebenskomfortzone herauswagten, kämen nicht weit. Vielleicht gilt das eben hin und wieder auch für Leser/innen…

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