„Ich bin schon den ganzen Tag auf den Beinen, habe aber nichts geschafft!“ – so klagte meine Mutter manchen Abend und mit „nichts geschafft“ meinte sie wohl nichts besonderes geschafft oder erlebt zu haben, im Gegensatz zu allen kleinen Erledigungen, Handgriffen, Telefonaten, die eben irgendwann (und wann, wenn nicht jetzt?) getan werden mussten. Wie oft habe ich genauso geseufzt, wenn es dunkel wurde und schon wieder nichts Weltbewegendes vom Tisch oder auf den Tisch gekommen war. Und wie oft habe ich mich dann noch bis weit nach Mitternacht ins Tagebuch vergraben, in der Hoffnung, wenigstens noch einen Gedankenflug zu unternehmen oder zumindest einen Trost zu finden. Bis ich gerade an solchen Tagen zügig ins Bett gegangen bin: Wenn schon nichts, dann wenigstens konsequent, dachte ich. Und tatsächlich hat es meine Stimmung aufs Ganze gesehen gebessert. Nichts-Tage wuchsen sich nicht zum großen Scheitern aus, sondern fanden einfach statt. Bis ich bemerkte, dass auch die Nichts-Tage Tage sind, an denen sich so einiges tut, und dass es Tage sind, an denen ich sogar zugegen bin. Auch wenn ich keinen großen Erfolg feiern, eine lästige Sache abschließen oder eine tolle Party besuchen – und darüber dann erzählen – kann. Das Gewohnte, Banale, Alltägliche vom eigenen Ich abzukapseln, nimmt mir einen großen Teil meiner Zeit, und die Luft zum atmen. Heute war ein ganz normaler Montag. Ein Schelm, wer in dem Hasen einen Osterboten sieht…

Quer 10. März 2015
Ja, der Alltag hat auch seine Berechtigung – vielleicht wie das Fugenmaterial zwischen den Fliesen…
Ich mag diese Betrachtungen.
Und der Hase weiss natürlich von nichts… 😉
Liebe Grüsse,
Brigitte
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Stephanie Jaeckel 10. März 2015
😉 Mein Name ist Hase… – und ich weiß von diesen Zerreißproben zwischen Leben und Arbeit fast nur aus der Praxis. Vielleicht bleibt es eine Utopie, beides ins Gleichgewicht zu bringen, aber ich spüre, wie wichtig es ist, den Alltag aufzuwerten. Oder mich dort nicht klein und sprachlos zu fühlen. In diesem Sinne: Ein Hoch auf den Dienstag!
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papiertänzerin 10. März 2015
… genau darin liegt ja deine Stärke, dem versteckten Alltagsleuchten auf die Spur zu kommen und neue Gedanken daran zu entzünden…
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Stephanie Jaeckel 10. März 2015
Danke. Je länger ich nach Alltagsklunkern ausschaue (und es sind jetzt knapp fünf Monate), desto dringlicher scheint mir das Unterfangen. Nicht nur als „privates“ Anliegen, sondern als eine Art Anrennen gegen die allgegenwärtige Konsumpraxis. Wobei es mir nicht darum geht, aufs Kaufen zu schimpfen, oder auf andere Vergnügungen. Aber wo sind die eigenen Vergnügungen, das nicht Vorgefertigte? Ich bleibe fürs Erste jedenfalls dran!
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