Wer in Berlin wohnt, weiß, dass eine Großstadt nix ist ohne ihre Baustellen, ihre Projekte, ihre Wunden. Im eigenen Leben würde ich gerne auf solche „construction sites“, wie es im Englischen heißt, verzichten. Zumal sie – zumindest scheint es – im Laufe der Jahre häufiger werden. Baustellen fordern Umwege, Improvisation. Sie bringen Lärm, Matsch, Unordnung. Sie versprechen Neuerungen, das schon, aber immer wieder versperren mir Fragen wie „wozu?“ oder „wohin?“ den Blick über den Bauzaun. Kann man sich in Baustellen einrichten? Wenn ich die alten Menschen im Heim sehe, denke ich: man muss. Der Sinn des Lebens ist das Leben, schreibt Christa Wolf an ihrem „Tag des Jahres“ 2008. Da ist sie seit gefühlten Ewigkeiten schon mit der Niederschrift ihres letzten Romans, „Stadt der Engel“ beschäftigt. Wenn man sich diese Zeit anschaut: eine nicht enden wollende Baustellentour unter Lebensgefahr (nicht nur einmal). Für mich ist es ihr mit Abstand bestes Buch. Mut zur Baustelle? Sieht so aus. Auch wenn ich froh bin, dass morgen Sonntag ist und der Presslufthammer schweigt.

papiertänzerin 9. März 2015
…. ich fürchte mich eher vor der Stille fertiger Orte…
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Stephanie Jaeckel 9. März 2015
Oh, da sagst Du was! Fertige Orte sind meist die schlimmsten. Und sie scheinen in unseren Städten zur Zeit das Genre zu sein, was am häufigsten gebaut wird. Dann doch lieber eine solide Baugrube!
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papiertänzerin 9. März 2015
… jenau 😉
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