Einhörner sind auffällig weit verbreitet.

Ich hätte verblüfft sein können, war es jedoch nicht. Weil ich erst neulich ein Interview mit dem Bonner Philosophieprofessor Markus Gabriel gelesen habe, darin dieser bereits zitierte Satz: „(Einhörner) sind auffällig weit verbreitet.“ Nanu, dachte ich damals beim Lesen, sind Philosophen jetzt die neuen Fantasy-Könige? Nö, lernte ich in den nächsten Zeilen. Sie sind nur, sagen wir mal, „großzügiger“. Jedenfalls Herr Gabriel, der sich als Philosoph nicht weiter mit der Wirklichkeit rumschlagen will, sondern auch solche Phänomene wie eben Einhörner akzeptiert, deren Existenz zumindest in unseren Gedanken oder Träumen verbrieft ist. „Real ist, was real ist“, sagt er, und gleich gibt es ein Etikett dafür, denn man spricht vom Neuen Realismus. Neu daran scheint mir, dass es kaum noch um die Frage geht, wo Realität anfängt und wo sie aufhört. Die beunruhigende Frage der Romantiker, ob ich lebend wache oder träume, wird als irrelevant vom Tisch geschoben. Egal, heißt die Antwort, aber wenn jemand mit mir spricht, sind zumindest schon mal zwei von meiner Existenz überzeugt. Nein, das Einhorn hat nicht gesprochen. Es stand ziemlich still. Aber ich würde fast darauf wetten, dass es heute schon wieder verschwunden ist.

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 8

  1. Avatar von mickzwo

    mickzwo 11. Februar 2015

    „Real ist was real ist.“ Da beisst die Maus den berühmten Faden nicht ab. Also ist da was dran. Wo aber kann man auf das Reale treffen? Wie es erkennen? Gibt es viele davon? Muß man da mit gehen? Wenn ja, mit allen? Nur mit einigen? Wie dann die Realität auswählen, die zu einem passt? Oder ist es doch nur eine, die sich manchmal verkleidet? Reicht zuschauen auch schon mal aus?
    Fragen eben.. und das um diese Uhrzeit!

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  2. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 11. Februar 2015

    Also, als Nicht-Philosophin würde ich mal sagen: Das sind ganz reale Fragen! (Vielleicht war die Uhrzeit eher fiktiv…?) – Wenn ich Gabriel richtig verstehe, ist von meinem eigenen Blick aus alles real, was ich als solches definiere. Mir fällt dazu einmal mehr meine Mutter ein, die an Alzheimer erkrankt ist. Ihre Realität fällt eindeutig aus meinen eigenen Wahrnehmungen heraus. Man könnte jetzt mit dem Begriff „verrückt“ argumentieren, der, von seiner überheblichen Art einmal abgesehen, ja auch ganz schön ist, weil sich offensichtlich bei meiner Mutter etwas verrückt. Aber für sie ist es bombenfest real. Angehörigen wird angeraten, sich der Realität der Erkrankten anzupassen, weil ein Beharren auf eine „wirkliche Realität“ bei ihnen nur Ängste auslöst, manchmal Aggressionen. Und was passiert? Plötzlich wird die Welt reicher. Auch wenn ich es „nur“ mit der Fantasie einer kranken Frau zu tun habe.

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