Ich hätte verblüfft sein können, war es jedoch nicht. Weil ich erst neulich ein Interview mit dem Bonner Philosophieprofessor Markus Gabriel gelesen habe, darin dieser bereits zitierte Satz: „(Einhörner) sind auffällig weit verbreitet.“ Nanu, dachte ich damals beim Lesen, sind Philosophen jetzt die neuen Fantasy-Könige? Nö, lernte ich in den nächsten Zeilen. Sie sind nur, sagen wir mal, „großzügiger“. Jedenfalls Herr Gabriel, der sich als Philosoph nicht weiter mit der Wirklichkeit rumschlagen will, sondern auch solche Phänomene wie eben Einhörner akzeptiert, deren Existenz zumindest in unseren Gedanken oder Träumen verbrieft ist. „Real ist, was real ist“, sagt er, und gleich gibt es ein Etikett dafür, denn man spricht vom Neuen Realismus. Neu daran scheint mir, dass es kaum noch um die Frage geht, wo Realität anfängt und wo sie aufhört. Die beunruhigende Frage der Romantiker, ob ich lebend wache oder träume, wird als irrelevant vom Tisch geschoben. Egal, heißt die Antwort, aber wenn jemand mit mir spricht, sind zumindest schon mal zwei von meiner Existenz überzeugt. Nein, das Einhorn hat nicht gesprochen. Es stand ziemlich still. Aber ich würde fast darauf wetten, dass es heute schon wieder verschwunden ist.

Maren Wulf 7. Februar 2015
Herrlich! Ich vermute, der Neorealist ist auch einer, der Selbstgespräche führt, damit wenigstens mal einer zuhört? 😉
LikeLike
Stephanie Jaeckel 7. Februar 2015
Hm, ich hatte eher ein Rudel Einhörner in seiner Vorlesung vermutet. Was ein spektakuläres Klunkerfoto abgäbe, aber die antworten vermutlich auch nicht, wobei wir dann wieder beim Selbstgespräch wären…
LikeLike
mickzwo 11. Februar 2015
„Real ist was real ist.“ Da beisst die Maus den berühmten Faden nicht ab. Also ist da was dran. Wo aber kann man auf das Reale treffen? Wie es erkennen? Gibt es viele davon? Muß man da mit gehen? Wenn ja, mit allen? Nur mit einigen? Wie dann die Realität auswählen, die zu einem passt? Oder ist es doch nur eine, die sich manchmal verkleidet? Reicht zuschauen auch schon mal aus?
Fragen eben.. und das um diese Uhrzeit!
LikeLike
Stephanie Jaeckel 11. Februar 2015
Also, als Nicht-Philosophin würde ich mal sagen: Das sind ganz reale Fragen! (Vielleicht war die Uhrzeit eher fiktiv…?) – Wenn ich Gabriel richtig verstehe, ist von meinem eigenen Blick aus alles real, was ich als solches definiere. Mir fällt dazu einmal mehr meine Mutter ein, die an Alzheimer erkrankt ist. Ihre Realität fällt eindeutig aus meinen eigenen Wahrnehmungen heraus. Man könnte jetzt mit dem Begriff „verrückt“ argumentieren, der, von seiner überheblichen Art einmal abgesehen, ja auch ganz schön ist, weil sich offensichtlich bei meiner Mutter etwas verrückt. Aber für sie ist es bombenfest real. Angehörigen wird angeraten, sich der Realität der Erkrankten anzupassen, weil ein Beharren auf eine „wirkliche Realität“ bei ihnen nur Ängste auslöst, manchmal Aggressionen. Und was passiert? Plötzlich wird die Welt reicher. Auch wenn ich es „nur“ mit der Fantasie einer kranken Frau zu tun habe.
LikeGefällt 1 Person
mickzwo 11. Februar 2015
Nicht mal die Uhrzeit war fiktiv. Manchmal raubt es mir den Schlaf. Und: „Plötzlich wird die Welt reicher.“
LikeLike
Pingback: Sei klug und halte dich an Wunder | Alles mit Links.
Pingback: Sei klug und halte dich an Wunder | Fett/Anthrazit Blog
Stephanie Jaeckel 12. Februar 2015
Danke, dass Du die Wunder ins Spiel bringst. Die gehen in Alltagen tatsächlich schon mal verloren. Ich werde also klug sein 😉
LikeGefällt 1 Person