Über den Gang klappern zehn kleine Holzabsätze.

Es sind die fünf Tirelireli-Girls, wie wir gleich im nächsten Satz erfahren, die da klappern, viel mehr braucht es auch nicht, damit Colette ein atmosphärisch dichter Einstieg gelingt: Wir sehen noch Mitsou, den Revuestar, vor runtergekommener Papiertapete in der Garderobe sitzen, hören den Inspizienten Boudou an die Tür klopfen und erleben, wie Kollegin Petit Chose in einem nicht mehr sauberen Bademantel in Mitsous kurze Pause hineinstürzt. Schon sind wir mittendrin in der „Folie“, dem ersten Verliebtheitsrausch, dem Liebeswahnsinn, den Colette nur zu gut aus eigener Erfahrung kannte und auf’s immer Neue bitter-süß, aber auch lakonisch, launisch, abgeklärt, verträumt und mit offenem Herzen für (fast) alle Beteiligten (vor allem für die vierbeinigen) beschrieb. „Kannst Du nicht mal ein Buch schreiben, das nicht von Liebe handelt?“ Soll ihr zweiter Ehemann Henri de Jouvenal (als Adliger hatte er schließlich seinen Namen zu verteidigen) gefragt haben. Konnte sie nicht – wollte sie auch nicht. Sie wurde als erste Frau in Frankreich mit einem Staatsbegräbnis geehrt, Monsieur de Jouvenal? Ist in den Annalen verblasst. Dass sie das Leben liebte, muss wohl nicht extra gesagt werden: heute wäre sie 142 Jahre alt geworden, Sidonie-Gabrielle Colette: Herzlichen Glückwunsch!

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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