Zickzack

Er wollte nicht Zorro sein, der Rächer des Volkes, dennoch war er „entzückt“, ein Z in seinem Namen zu tragen: Gilles Deleuze, der Entdecker der menschlichen Wunschmaschine, der heute vor 90 Jahren in Paris geboren wurde. Für ihn bedeutete Z das Zickzack, die universale Kraft, die Bewegung schlechthin, die er mit den ungebremsten Flugbahnen von Fliegen verglich. Ein Zickzack müsse die erste Bewegung gewesen sein, keineswegs ein Knall, schon gar kein Urknall, sondern das Hin-und-Hersummen einer unsichtbaren Fliege, der ein Blitz folgte und die Dinge plötzlich sichtbar machte. Eine vergnügliche Fußnote besteht darin, dass Deleuze die Bewegung von Reisen geradezu hasste (was allerdings auch seinem sich stets verschlimmernden Krankheitszustand zuzuschreiben war). Er lachte selbst über diesen Unwillen, Paris zu verlassen, aber er hatte auch gute Gründe. Die Reise, so sagt er, ist „une rupture de bon marché“. Und: Nomaden reisen nicht. Womit wir wieder beim Unterbruch sind. Eine Reise lässt er nur gelten im Sinne von Marcel Proust, um einen Traum zu überprüfen. Emigration nennt er eine erzwungene, und deshalb heilige Reise. Hasen können auch Zickzack, in diesem Sinne: Allez-hopp! Und herzlichen Glückwunsch!

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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