Von wegen Fabelwesen. Natürlich konnten sie damals Zeit noch nicht in den Dimensionen denken, mit denen Wissenschaftler heute hantieren. Im Mittelalter gab es die Ewigkeit und die Welt, die – je nach Rechnung – ein paar Tausend Jahre alt war. Dazwischen passte nicht eine Pergamenthaut. Knochenfunde prähistorischer Tiere, die bereits in der Antike gemacht wurden, mussten aber irgendwo untergebracht werden. Die US-amerikanische Historikerin Adrienne Mayor spricht von „sophisticated concepts“, deren sich bereits die Skythen bedienten, um in der Gobi-Wüste gefundene Reste des Protoceratops zu deuten. Deren riesiger Schnabel auf einem Körper, der entfernt an einen Löwen erinnert, ließ sie an ein Mischwesen aus Vogelkopf und Raubkatzenkörper denken. Der Nackenschild der Saurier wurde als Flügel umgedeutet, fertig war der Greif, der im Mittelalter wegen seiner Stärke und dem scharfen Blick gern als Schutzsymbol verwendet wurde. Er gab ein gutes Motiv für Aquamarile ab – also: Händewaschen nicht vergessen!
