Linien

durchziehen unser Leben: wenn wir gehen, fahren oder fliegen, wenn wir beim Reden gestikulieren, Geschichten erzählen (oder gar aufschreiben), wenn wir zeichnen, unser Revier markieren (und sei es nur mit strategisch platzierten Blumentöpfen oder dem Klappern mit Tellern). Linien sind Bewegung, und mehr noch: Wissen und Beschreibung. Linien waren ursprünglich geschwungene, gewundene Spuren auf unserem Planeten. Die gerade Linie, die, die uns heute als erstes in den Kopf kommt, wenn von Linien die Rede ist, erschien, so der britische Anthropologe Tim Ingold, erst spät auf unserem Planeten: als die „alten“ Ägypter den Flug der Vögel durch die Verbindung zweier Punkte (ihres Abflugs- und ihres Ankunftsortes) notierten. Geometrie, so Ingold, entstand also aus der Beobachtung realer Bewegung. Erst mit der weiteren Entwicklung der Mathematik und der Optik wurden Linien abstrakt. Natürlich gibt es auch weiterhin natürliche Linien. Was für ein phantastisches Gefühl, durch die Welt zu ziehen und eigene Lebenslinien zu hinterlassen. Das wäre geradezu eine Einladung zu einem Sonntagsspaziergang – auch wenn das Wetter so gar nicht winkt…

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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