Im Garagenwald (auch eine überraschende Umnutzung):

Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Der Zauberwald, der zur Zeit in der Neuen Nationalgalerie steht, ist – laut Veranstaltungsbroschüre – ein „Prolog auf die denkmalgerechte Sanierung des Museums, die (…) mit Beginn des Jahres 2015 durchgeführt wird.“ Kurz, das schönste Haus am Platz schließt nächstes Jahr, also hurtig noch einmal hinspaziert, Sanierungen können schließlich lang und länger dauern. David Chipperfield, der die Sanierung durchführen wird, hat auch den Wald in die obere Museumshalle gestellt. Und weist damit auf die Konstruktion des Dachs, das von acht schmalen Stahlstützen getragen wird, die so vor die Fassade gerückt sind, dass sie fast verschwinden und den Eindruck wecken, das Dach würde frei über dem Gebäude schweben. Die mächtigen Fichtenstämme – allesamt 100jährig und quasi recycelt, also nicht „extra“ gefällt – scheinen den Stahlstützen schon mal die Last abnehmen zu wollen. Ihnen vertraut man sich gerne an. Und wandelt durch den Stützenwald, Pilze werden Sie nicht finden, auch wenn hier und da ein Feuerlöscher giftig rot im Dämmerlicht leuchtet. Drinnen und Draußen: einmal mehr verwischt der Mies-Bau die Grenzen. Für November-Spaziergänger genau in die richtige Richtung.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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