Kunstgarage

Ludwig Mies van der Rohe war schon ein alter Mann, als er den Auftrag bekam, für Berlin ein Museum zu bauen. Ob wir es der Leichtigkeit seines Alters (jawohl, die gibt es neben Gicht und Rheuma nämlich auch) zu verdanken haben, dass er keine Schachtel gebaut hat, keinen white cube, wie er damals in Mode kam, keinen Palast und keinen Tempel, sondern einen luftig leeren Raum, streng gegliedert zwar, und mit einem tonnenschweren Dach versehen, das wiederum zu schweben scheint und keine Urängste auslöst, dass er einen „Universalraum“ (so die Architekturkritiker) schuf und sich um die Bespielbarkeit dieses Raums wenig scherte? Es zeigt zumindest, das Menschen mit 76 noch prima Ideen haben können. Es zeigt, dass Kunst mehr zuzumuten ist, als bloß an weiße Wände gehängt zu werden. Es zeigt, dass Atmen manchmal wichtiger ist als Kultur (oder nein: dass Atmen in Kultur manchmal wahnsinnig wichtig ist, wichtiger als Reden zum Beispiel). Es zeigt, dass die Neue Nationalgalerie auch fast fünfzig Jahre nach ihrer Eröffnung noch ein unbedingtes Highlight ist dieser Stadt.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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