Blumenalphabet

Die Aasblume macht den Anfang, und das habe ich nun davon, nicht am Wiesenrand entlang zu schlendern, sondern einen Spaziergang durchs Lexikon unternehmen zu wollen. Wer sagt denn, dass es sich auf dem Sofa (bei DEM Wetter) nicht auch spazieren lässt? Aber ach! Ackerkohl, Adlerfarn und Adonisröschen nicken mir beim Vorbeigehen zu, allein – kaum seh‘ ich was, mein Gedächtnis scheint auch auf Wanderschaft – in entgegengesetzte Richtung. Das Bährenohr ragt noch prächtig aus den raschelnden Blättern heraus, Barbarakraut, Bauernsenf, Beschreikraut, Brunnenlebermoos, Bubiköpfen, Büschelschön, Burzeldorn bleiben übersehen, die Cistrose kenne ich, aber das Dämonshorn ist bloß – ein Kaktus. Alphabetisch, so merke ich, lässt es sich nicht gut flanieren. Zu sehr stehen die Blumen Reihe um Reihe, ich werde hektisch (immer noch bei B!?), mäkelig (so wenig C nur) und wenn nach Drachenkopf, Drachenlilie, Drachenmaul die schlichte Drehfrucht kommt, ist es mir auch nicht recht. Ich schlage das Lexikon zu. Und gelobe, das nächste Blumenalphabet mit mehr Geduld zu buchstabieren. Garantiert am Wiesenrand.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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