Tee ist ein anregendes Getränk,

und wer im 19. Jahrhundert zum Tee geladen wurde, sollte eine gewisse Lust am Fabulieren und am scharfen Nachdenken mitbringen. Im Winter 1804/1805 ist Adelbert von Chamisso oft zu Gast bei den Teegesellschaften von Rahel Levin. Hier lernt er Wilhelm und Alexander von Humboldt kennen, Jean Paul, Friedrich Gentz und andere junge Intellektuelle, nicht zuletzt die Gastgeberin, Rahel Levin, die ihm, dem angehenden Forschungsreisenden und Literaten den Sinn für Sprache (einmal mehr) öffnet.

Einen Brief von 1801, den Chamisso kaum gekannt haben wird, aber der die Sensibilität Rahels für Sprachen fühlbar macht, hatte sie an ihren Freund Karl Gustav Brinckmann adressiert:

„Die Sprache steht mir aber nicht zu Gebote, die deutsche, meine eigene nicht; unsere Sprache ist unser gelebtes Leben; ich habe mir meines selbst erfunden, ich konnte also weniger Gebrauch, als viele andere, von den einmal fertigen Phrasen machen, darum sind meine oft holprig und in aller Art fehlerhaft, aber immer echt.“

Dichter, zieh in die weite Welt und lebe! Und nimm Wörter so, wie sie kommen und zimmere ein eigenes Sprachgerüst für diese Welt, auf dass es deine Leser beklettern und für eigenes Leben Maß daran nehmen können!

(zit. aus der wundervollen Biografie von Beatrix Langer „Der wilde Europäer. Adelbert von Chamisso“, Berlin 2009, S. 71, erschienen im dem endlos zu lobenden Matthes & Seitz Verlag.)

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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