Drachen sind untrügliche Herbstboten. Äpfel, Igel, Laternen, Kürbisse haben jetzt ihre beste Zeit, unsere Tage liegen über Stunden in der Dämmerung, wir hören Wildgänse am Himmel, geistern durch Nebel (gelegentlich) und freuen uns auf Pilzomelett und Hagebuttentee. Auch, wenn es kaum jemand glaubt: Ausgerechnet der November bringt die intesivsten Farberlebnisse, keineswegs der oft so golden gepriesene Oktober. Langsam zeigen die Bäume wieder ihre unfehlbare Architektur, gelegentlich in flammenden Blätterseen stehend (wenn nicht zu viel Herbstwind geht). Eichhörnchen geraten in vorwinterlichen Stress, eine Ahnung vom ersten Frost zieht durch die Fensterritzen. Und – fast hätte ich die Kastanien vergessen! „Der Herbst ist immer unsre Beste Zeit“, schrieb Goethe, und man wüsste zu gerne, in welchem Alter. „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keins mehr. / Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, / wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben / und wird in den Alleen hin und her / unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“ (Letzte Strophe von Rainer Maria Rilkes Gedicht „Herbsttag“.)
