„Anders“

heißt das neue Buch von Andreas Steinhöfel , das am 1. Oktober im (übrigens sehr wundervollen Königskinder Verlag) erschienen ist. Und eigentlich, so dachte ich, könnten alle bisherigen Bücher von ihm „Anders“ heißen, denn stets erzählt er Geschichten von Menschen, die anders sind, oft am Rand der Gesellschaft stehen oder sich gegen das Unverständnis ihrer Umwelt durchsetzen. Dass sie sich durchsetzen, ist eine bei Steinhöfel ausgemachte Sache, wenn auch die Figuren nicht ohne Blessuren auf die letzte Buchseite kommen. Denn alle seine Bücher bergen Hoffnung, auch wenn das Böse oft massiv in die längst nicht idyllische Welt am Rand einbricht.

Was passiert? Ein Kind namens Felix hat an seinem 11. Geburtstag (ja, Primzahlen spielen auch eine Rolle) einen ziemlich bescheuerten Doppelunfall, an dem auch noch beide Eltern beteiligt sind. Er fällt ins Koma und hat sich und sein bisheriges Leben vergessen, als er nach einem Dreivierteljahr endlich wieder aufwacht. Wie er in sein altes Leben zurückfindet, ist der rote Faden der Geschichte. Hinreißend, auf welche Weise Steinhöfel uns vor Augen führt, wie unser Alltag, aus dem die großen Strecken unseres Lebens überhaupt bestehen, wie dieses Alltagsleben in einer Amnesie zerbröselt und alles, was wir zu sein denken, mit einem rabiaten „Ratsch“ vom Tisch wischt. Wer wollte, könnte jeden Tag anders sein, ein Anderer, lautet eine beunruhigende Botschaft dieses Buches.

Harter Tobak für Kinder oder Jugendliche, an die das Buch adressiert ist. Aber, wie immer bei Steinhöfel, so spannend erzählt, dass einem erst viel später die Wucht der Geschichte einholt. Kongenial und (fast) ohne Protagonisten gezeichnet, die Illustrationen von Peter Schössow. Ach ja, Hühner spielen auch eine Rolle, v.a. Romy, mit dem liebevollen Kosenamen „Kackvieh“ (wer Hühner kennt…)

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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