Bei seiner heutigen ersten Vorlesung zum Thema „Zeit des Anderen“ hat Prof. Byung-Chul Han zunächst mit dem Mikrofon gekämpft und mit einer hustenbrüchigen Stimme. Er sei, so konnte man zwischen Tonverzerrungen, Rückkopplungen, Räuspern und ausfallender Technik hören, am Wochenende bei einer Aufführung von „Tristan und Isolde“ gewesen. Erst schien er auf den Narzissmus unserer heutigen Welt anzuspielen, denn er betonte mehrfach, dass er mit Maestro Barenboim danach noch zum Essen, nein, zum Genießen und zum Rauchen dicker Zigarren ausgerückt sei, aber dann nahm der Gedankengang doch eine andere Wendung: Die Zeit, in der es den anderen gab, so Han, sei vorbei. Die Zeit der grenzenlosen Lust, die Zeit in der Menschen sich noch herausreißen ließen auf den anderen hin in die Ewigkeit und also in den Tod, wie man es sich von Tristan und Isolde überliefert. Ein hübsches Detail, an dem er diesen Verlust, das Aus-dem-Blick-geraten des Anderen festmacht, ist diese merkwürdige Praxis beim Skypen, die darin besteht, in die Kamera gucken zu müssen, wenn man seinem Gegenüber die Illusion vermitteln will, ihn oder sie anzuschauen: „Die Zeit, in der es den anderen gab, ist vorbei.“
Tiere, so zitiert Han später noch Rilke, hätten beim Schauen den reinen Raum noch vor sich, dort wo wir Welt, und am Ende nur uns selbst sehen. Ob es noch einen Ausweg aus dem Dilemma gibt? Werden wir hoffentlich hören, im Laufe des Semesters!
