Wir dachten, jeder könne einfach über die Straße gehen

und mit einem Blinzeln schon die Themen der Zeit erkennen, schreibt Andy Warhol gleich zu Beginn seines Rückblicks auf die 1960er Jahre (statt „Straße“ schreibt er tatsächlich „Broadway“): „Popism“, zus. mit Pat Hackett, New York 1980. Warhol tat gerne naiv. Aber dieser Satz geht geradewegs an die Adresse der Abstrakten Expressionisten, die zu jener Zeit noch die Kunstszene beherrschten. In ihren Bildern, so der indirekte Affront, seien alle diese tollen modernen Dinge wie Comics, Picknicktische, Duschvorhänge etc.,pp, nirgends zu sehen, mit dem Leben habe diese Kunst nichts zu tun. Als er auf einer Party der ebenfalls abstrakt malenden Yvonne Thomas aufkreuzt – Freunde hatten ihn mitgebracht – hört er Mark Rothko zur Gastgeberin sagen: Wie konntet ihr den bloß reinlassen? Partyanimal Andy war entzückt, Meister Warhol behielt Recht (natürlich ohne Anspruch aufs Urheberrecht): Am Wegesrand, liebe Leute, liegen die großen Themen.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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