drinnen, aber kaum jemand hört hin, denn was man sieht, nimmt einem den Atem: Seit die Therme steht, die Peter Zumthor in und für Vals von 1993 bis 96 gebaut hat, reißen die Lobeshymnen nicht ab. Zurecht. Wer auch nur ein Fitzelchen „typisch Neunziger“ erwartet, wird enttäuscht. Das Bad sieht aus, als wenn es – vielleicht nicht schon immer, aber doch – schon sehr lange da stehe (oder eher hocke, in den Hang eingebaut, aus dem die Quelle steigt). Die Kolonne der Architekturtouristen reißt ebenfalls nicht ab. Was sie und die anderen Gäste suchen, sind besondere Sinneserlebnisse, aber kaum jemand hört hin, denn wen man auch fragt (bislang) – ungläubige Blicke.
Dabei geht es nicht um den Hinweis auf einen vermeintlichen Mangel. Es ist viel mehr das Ungebändigte eines Geräusches, das – sound-gestylt – bestimmt zu verhindern gewesen wäre. Es ist die ganze Zeit da, im Hintergrund, wo es seine Kapriolen schlägt, wie Schatten an der Wand. Der Überlauf der Becken ist eine rechtwinklige Kante, über die das Wasser in einen Schacht schwappt. Es röhrt, schmatzt und gurgelt, ganz so, als wäre hier keine Wellness-Oase, sondern ein verwunschener Ort in der guten (vielleicht, aber auf jeden Fall) alten Natur. Peter Zumthor sagt, es sei ihm um den Ort gegangen, um die Millionen von Jahren, die in den Steinen und über dem Tal liegen. Das Gurgeln, Schmatzen und mitunter arg respektlose Rülpsen scheint aus diesem Blickwinkel ein Echo dieses Alters zu sein, das seinen eigenwilligen Teil am Gelingen des Baus beiträgt – wahrscheinlich auch nachts, wenn es wirklich keiner hört.
