Wer kennt schon Seebananen?

Ich musste in die belgische Stadt Löwen fahren, um zum ersten Mal welche zu sehen und gleich auch zu probieren. Seebananen sind ein ungeheuer saftiges Gemüse. Es wächst am Strand, ursprünglich nur in Australien, mittlerweile aber auch bei Züchter*innen, die das knackige, leicht salzige Grün für ca. 8,00 € pro 150 Gramm verkaufen. Und ja. Die Frage, of das sein muss, vor allem, wenn man sich hauptsächlich mit saisonnalen und regionalen Zutaten beschäftigt, liegt einem sicher schnell auf der Zunge. Deshalb hole ich ein bisschen aus:

Kochen und Essen sind bekanntlich Kulturtechniken. Auch wer nur gelegentlich (und gerne) essen geht, mag im Laufe des Lebens auf diese Weise einige kulinarische Höhepunkte erleben. Und Köch*innen kennenlernen, die etwas von ihrem Handwerk verstehen, und die Gerichte so ausbalancieren, dass sie entweder wie die beste Variante eines bekannten Rezepts daherkommen oder aber so neu und überraschend sind, dass es einem schier dem Atem verschlägt.

Und wer jetzt denkt: „na klar, nehme ich halt Kohlrabi und Seebanane, da werden die Gäste schon staunen“, macht es sich zu leicht. Denn so einfach ist es mit dem Kochen und dem kulinarischen Kombinieren dann doch nicht.

Ich bin kein Foodie, und obwohl ich gerne esse, habe ich wenig gastronomisches Wissen. Tatsächlich war ich in Löwen zum ersten Mal bei einem Sternekoch, der die Molekularküche beherrscht und regional kocht. Mag also sein, dass mich der Zauber des Ersten Mals gepackt hat. Aber ich kann sehr klar sagen, dass es mir geschmeckt hat. Und das ist für eine Gastro-Kritik, egal wie rudimentär sie ist, sicher der wichtigste Punkt.

Und es nicht nicht mal nur gut geschmeckt: es war ein äußerst vergnügliches Essen zusammen mit einer Kinderfreundin, mit der ich schon als wir noch ganz klein waren, am liebsten Süßigkeiten geteilt habe. Nein! Keine Erlebnisgastronomie! Das Restaurant, in dem wir saßen (obwohl wir nicht reserviert hatten!) ist von einer Gastfreundschaft, die rar ist.

„Taste“ heißt es, ein mit sicherer Hand durchaus freestyle eingerichtete Lokal, gemütlich UND cool, dezent UND schräg. Hier kocht der Sternekoch Bart Tastenhoye selbst mit zwei Kollegen für alle sichtbar in der Restaurantküche, kongeniale Gastgeberin ist seine Frau Dorotee Hoste, die mich vom ersten Moment an vergessen ließ, in einem Nobelrestaurant zu sein, und vielleicht nicht alle Geflogenheiten solch elitärer Orte parat zu haben.

Gekocht werden hier pro Abend zwei Menues, ein vegetarisches und eins mit Fisch und Fleisch (die Karte wechselt in etwa jeden Monat). Man kann zwischen vier und sechs Gängen wählen, dazu gibt es vorab ein Amuse Gueule, ein kleines frisches Brot mit Butter, Salz und Pfeffer und nach dem Nachtisch noch ein paar süße Kleinigkeiten UND noch ein kleines Eis, das der Chef selbst an den Tisch bringt.

Die einzelnen Portionen sind wie kostbare Tableaus angerichtet, und jetzt, wo ich solche Kunstwerke erstmals selbst probiert habe, muss ich wirklich sagen, dass sich jedes einzelne Blättchen lohnt. Klar, ich liebe Pommes, und (haha!), Bart Tastenhoye liebt sie auch und geht gelegentlich mit Kaputze auf dem Kopf in eine etwas abgeranzte Bude, wie seine Frau mir beim Abschied lachend erzählt. Das heißt, Gourmetküche ist vermutlich nichts für den Alltag, oder für den Alltag der meisten Menschen, aber sie ist etwas Wundervolles, wie Oper oder jedes andere besondere Konzert, das man sich nur gelegentlich, aber dann mit großer Freude gönnt.

Was nun Kohlrabi und Seebanane angeht. Nein, sie müssen keineswegs zusammen auf dem Teller landen. Aber wer Kohlrabi liebt, wird sich freuen, wie überraschend neu sie zusammen mit den exotischen Kollegen harmoniert. Kohlrabi fühlt sich dabei für mich wie ein geliebtes Kindheitsgemüse an, das erdig und winterlich schmeckt, während die Seebanane daneben frisch wie eine Zitrusfrucht, dabei aber salzig explodiert, wenn man auf sie beißt. Und auch hier gilt: Das muss ich jetzt nicht in meinen eigenen Küchenplan integrieren. Aber sie harmonieren perfekt wie ein Sonnenuntergang über einem See in den Bergen, den ich so auch nur einmal im Leben sehe und nie wieder vergesse.

Restaurant TASTE

Naamsestraat 62
3000 Leuven
016/84.87.32

Reservations: reservations@leuventaste.be 
General: info@leuventaste.be 
Invoicing: invoices@leuventaste.be

Montags geschlossen

Haiku

Meine Kenntnis asiatischer Textformen ist begrenzt. Von Haikus habe ich gehört. Sie sind fester Bestandteil kreativer Schreibworkshops, und hatten, als ich anfing, mich mit dem Schreiben mehr zu befassen, einen ersten großen Aufschlag in Deutschland.

Ich fand sie immer fremd. Es waren Bilder aus einer anderen Welt, wie Schnappschüsse, sehr konkret, sehr gegenständlich, wenig „erzählend“, kühl eher, beiläufig.

Winterregen.

Eine Maus läuft über die Saiten

der Mandoline.

(Buson)

Ich saß gestern in der Bahn und schaute in einen erst grauen, und sich dann in viele Blautöne auffächernden Himmel. Aus Spass machte ich Handy-Fotos von der Landschaft, die an mir vorbei sauste. Erstaunlich viele Bilder kamen geradezu unversehrt aus der großen Geschwindigkeit bei mir an. Beiläufig, gleichzeitig banal und schön zugeleich. „Unsere Welt“, dachte ich, gleich danach auch „unser Deutschland“ (da musste ich lachen – aber, doch ja, stimmt schon).

Die Banalität, das Fade des Alltags, das ist es, was mir tatsächlich immer wieder das Herz höher schlagen lässt. Und zeigt, das ich hier mit den Klunkern immer noch gut aufgestellt bin – nach mittlerweile 11 Jahren.

Und Überraschung!

Gleich noch ein Geburtstag. Nein, seine Filme habe ich bislang nicht gesehen. Dafür habe ich seine Biografie mit viel Vergnügen gelesen. Vielleicht auch, weil er eine Koautorin hatte, mit der er abwechselnd Kapitel aus seinem Leben erzählte. Das fand ich ganz mutig und das war gut zu lesen. Ich schaue gelegentlich ins Buch und bekomme gleich Lust, etwas zu machen. Das ist toll. Und ich war ein großer Fan von Lynch’s Wetterberichten aus Los Angeles. Es waren kleine Alltagsklunker im besten Sinn: mit einem extrem begrenzten Vokabular (meist feste Wendungen aus der Wetterkunde) schuf er jeden Tag ein neues – nun, kein Haiku, aber ein fast ebenso lakonisches Gedicht für den jeweiligen Tag. Garniert mit einem Song, der ihm (angeblich) gerade beim Blick aus dem Fenster einfiel. Seine (ebenfalls angeblich) letzten Worte: Stay curious! Happy birthday David Lynch!

Herzlichen Glückwunsch, Gilles Deleuze

Der Januar wartet mit ein paar tollen Geburtstagen auf, David Bowie, Susan Sonntag und Gilles Deleuze, der heute vor 100 Jahren geboren wurde.

Und nein. Um das gleich vorweg zu nehmen. Ich habe bislang noch nicht viel von ihm gelesen. Und noch weniger verstanden. Er gehört zu jenen Autor*innen, die ich enorm schätze, aber meist nicht begreife.

Das Nicht-Verstehen nimmt in meinem Leben eine ziemlich große Rolle ein. Immer noch verunsichert mich das. Warum bloß verstehe ich XX oder YY nicht? Fehlt da was in meinem Kopf? Gibt es vielleicht einen Trick?

Das sind Fragen. Und dann gibt es eine sehr unintellektuelle Antwort: Lies einfach, ohne es zu verstehen. Vielleicht bleibt irgendwas hängen und explodiert später zu einem Gedanken. Oder Du liest weiter, um Deine Angst vor dem Nicht-Verstehen zu verlieren. Denn, wer nicht versteht, braucht zumindest ein dickes Fell, um nicht dauernd umzukippen.

Was ich zum Beispiel verstanden habe, wie Deleuze und Guattari versucht haben, im Schreiben selbst Grenzen zu überwinden, indem sie abwechselnd Sätze formulierten, die der jeweils andere weiter führte. Ich begreife dieses unglaubliche Vertrauen, dass der Andere das Eigene nicht kaputt macht, oder verpfuscht, auch wenn er anders weiterschreibt, als man sich das selber so gedacht hatte.

Oder dass der Moment für Deleuze wesentlich ist. Er legt sich auf die Lauer. Situationsabhängige Warheiten sind es, die er sucht, keine ewigen Kategorien oder Regeln. Damit zum Beispiel hege ich die Hoffnung, auch mein Lebensdurcheinander betrachten zu können.

Dass er sich mit dem Ressentiment (Vorbehalt, heimlicher Groll) auseinandersetzt, einer fiesen Gefühlslage, mit der sich auch schon Nietzsche beschäftigte, interessiert mich besonders, weil ich das Gefühl habe, beim Älterwerden immer wieder und öfter in die Fänge des Ressentiments geraten zu können. Sich kleiner zu machen als nötig zum Beispiel. Oder in eine völlige Passivität zu fallen, aus der heraus alles, was stattfindet, wie eine Bedrohung, oder wie aus einer anderen Welt daherkommt. Oder das Herz nicht mehr öffnen zu können, um andere zu lieben oder auch nur zu bewundern.

Und dann gibt es diesen großen Impuls bei ihm, Neues, gerne auch Unverständliches in die Welt zu bringen. Das mir, und da kehrt sich mein Nicht-Verstehen in eine Art Argument um, selbst Unverständliches zuzulassen. Ist ja nicht so, als wenn ich alle eigenen Ideen gleich kapieren würde. Es anderen im Gespräch oder sonstwie zuzumuten, ermutigt mich Deleuze. Oder zumindest zwinkert er mir manchmal aus alten Filmdokumentationen zu. So verstehe ich das jedenfalls.

Lebenslinien

Ich habe lange Wege zurückgelegt, mittlerweile. Und stets, wenn ich mich umblickte, waren meine Spuren unsichtbar geworden. Erst allmählich begreife ich, dass ich nicht zurück, sondern eher in die Tiefe schauen sollte, wenn ich etwas finden will, das trägt. Eine Art Netz, das die Seiltänzerin schützt auf dem Stück Seil, das noch vor ihr liegt.

Ich schreibe gerne,

dachte ich gestern beim Aufräumen, und war wirklich überrascht. Erstens, weil das ein Gedanke war, der so plötzlich aus dem Nichts kam, dass ich mich ganz überrumpelt fühlte. Zweitens, weil ich seit Jahrzehnten schreibe ohne – zumindest die meiste Zeit – je groß darüber nachgedacht zu haben. Klar, bei der Wahl des Berufs zeigte sich schnell, dass Schreiben einen großen Teil meiner Arbeit ausmachen würde. Aber das war eher so wie, „kann ich, mach ich“.

Ich bin eine Art Kampfschreiberin: Mich hinzusetzten, Gedanken zu ordnen (ja, auch erst mal welche haben), fällt mir schwer, ich musste ringen, es gab Tage, an denen schaffte ich nur einen Satz, und ich litt oft unter der Einsamkeit am Schreibtisch. Nie gab es diese luftigen Momente, in denen ich irgendwo saß, ein Heft und einen Stift in der Hand, wo die Ideen mir nur so zuflogen, und ich wie im Rausch schrieb.

Das ist wohl eher der Typ Handwerkerin. Ich lerne, ich übe, ich hatte – und das überrascht mich gerade auch ziemlich – mit meinem Schreiben eine große Geduld. Immer wieder übernahm ich Texte, die ich so noch nicht geschrieben hatte und übte dort, schneller, flüssiger zu werden. Ich hatte dabei häufig die Momente des Zweifels, ich wusste nicht, was zu sagen. Und dann bleibt natürlich auch der Text stecken.

Im letzten Jahr, als ich mich um meinen Vater gekümmert habe, war nicht so viel Schreibarbeit. Da ist mir aufgefallen, dass mir etwas fehlt. Aber dass ich es richtig gerne tue!? Ja. Schöne Einsicht. Sicher nichts, was jetzt bis ans Ende meiner Tage so bleibt. Aber ich nehme es als etwas, was zu mir gehört.

Ein Lob auf die Langsamkeit

Das ist tatsächlich eine Überraschung. In der Langsamkeit habe ich eine Verbündete bei anstrengenden Aufgaben gefunden. Mein Credo lautete von jeher: Unangenehme Dinge möglichst schnell zu erledigen. In gewisser Weise ist da ja was dran. Vor allem, wenn es bedeutet, möglichst zügig damit anzufangen. Aber dann kam mir jedes Mal etwas in den Weg. Ohne dass ich es überhaupt bemerkt hätte. Ich war zu ehrgeizig. Ich wollte möglichst schnell Ergebnisse sehen und Fortschritte. Was dazu führte, dass ich bald schon gegen die Wand fuhr.

So wollte ich immer mal wieder eine neue Sprache lernen. Da sind vor allem die Anfänge deshalb schwierig, weil sie ja erst mal so einfach daherkommen. Nicht alle natürlich, aber ich wollte im Kreis der romanischen Sprachen bleiben, von denen ich Französisch studiert habe.

Ich musste lange Umwege machen. Erst mal habe ich mein Englisch aufgefrischt, dass seit Schulzeiten mehr oder weniger auf Eis lag. Dann kam Französisch dran. Und jetzt habe ich tatsächlich angefangen, Spanisch zu lernen. Das heißt, kein Kurs, kein Druck, ich mache das erst mal nur für mich. Im März werde ich kurz nach Madrid fahren, da möchte ich ein paar Sätze sprechen können, falls nötig.

Und siehe da: Langsamkeit ist der Schlüssel. Ich weiß noch, wie mir bei allen Sprachen immer so große Löcher vor Augen standen, weil ich nicht wusste, wie ich zum Beispiel Verbtabellen oder Vokabel lernen sollte. Das war angangs immer so abstrakt. Ich hatte ja keine Anhaltspunkte. Meist war die Aussprache auch noch nicht sicher. Ich humpelte durch Wortmaterial und bekam einfach keine Richtung rein. Als ich meine Englisch-Kenntnisse aufgefrischt habe, konnte ich immerhin schon Sätze bilden. Da half es mir, kleine Texte zu schreiben. Denn da stieß ich dauernd auf Dinge, die ich nicht ausdrücken konnte. Das war konkret. Das konnte ich mir merken.

Im Spanischen versuche ich gerade, Wörter oder Redewendungen mit dem Französischen abzugleichen. Weil das dann eben auch viel konkreter ist. Ich höre spanisches Radio, bislang allerdings ohne viel zu verstehen. Trotzdem scheint mir auch das ein wichtiger Teil zu sein, eine Sprache zu verstehen. Und wenn es erst einmal nur die Sprachmelodig (und das gewaltige Tempo) ist. Wie weit ich damit komme, weiß ich nicht. Vielleicht höre ich nach der Reise schon wieder auf. Was mich überrascht, und mir hoffentlich bleibt: Die Einsicht, dass ich mir in vielerlei Hinsicht mehr Langsamkeit gönnen kann.

Alles neu – oder?

Elf Tage 2025, und?

Tatsächlich gibt es Neuigkeiten, die elektronische Rechnung, die bisher aber keiner so recht wollte und hurra! ein eigener Keller. Also zumindest ein Drittel eines Kellers. Und schon ist meine Wohnung wieder prima.

Wer auf wenigen Quadratmetern wohnt, ist es gewohnt, sich regelmäßig von Dingen zu trennen. Büchertische, Second-Hand-Läden, Flohmärkte sind immer wieder Orte, an denen ich mich von Eigenem trenne. Meist ganz gerne, denn ich brauche Platz wesentlich dringender als Zeug.

Doch irgendwann ist das Gleichgewicht gekippt. Vielleicht, als mein Vater krank wurd und nach Berlin kam. Ich hatte enorm viel mehr Papierkram zu bearbeiten und, nachdem er gestorben war, auch Dinge aus seinem Zimmer im Heim. So langsam wuchs meine Wohnung zu, einfach auch, weil es Platz braucht, zum Beispiel eine Schublade auszuräumen oder ein Regal. Und wenn der fehlt, – ach, es war ein Leben mit vielen blauen Flecken, es wurde ungemütlich zu Hause zu sein, irgendwie trübte sich meine Stimmung ein, zumal es ja auch gen Winter immer dunkler wurde.

Ich vermute außerdem, dass irgendwo in mir ein Hamster lebt. Kein Wunder eigentlich, meine Eltern hatten ja den Krieg noch erlebt und hatten Mühe, Dinge wegzuwerfen. Was allein die 25 Staubsaugerschläuche erklärt, die im Keller meiner Eltern eine Art Kolonie gegründet haben. Was ich schreiben will: Ich hätte nie gedacht, wie gut mir diese Entrümpelung tut. Denn ich räume nicht nur Kram in den Keller, ich habe erstmals wieder Platz, Dinge auch auszusortieren und wegzugeben.

Nicht alles neu also, aber ein bisschen neu hilft tatsächlich auch. Ich fühle mich optimistischer als im Dezember und ja, selbst wenn Silvester einfach nur ein menschgemachtes Datum ist: In dem Fall war es hilfreich.

Er war 1799 da,

und auch noch zu Fuß. Während ich den Teide auf Teneriffa nur vom Schlafzimmerfenster aus sehen konnte: Alexander von Humboldt. Natürlich. Wo war der eigentlich nicht. Und ebenso natürlich mit Anzug und Lederschuhen, die am warmen Boden des Vulkans fast wegbrannten, während der Rest im kalten Wind von gerade mal 2°C fast erfroren wäre. Dazu liderliche Bergführer, die, wie sich im Laufe des Aufstiegs herausstellten noch nie den Gipfel erreicht hatten, den Wein austranken und das Wasser verschütteten, so dass der Abstieg ein Höllentrip wurde. Was Alexander jedoch zu keinem Moment die Laune verdarb. Und vor allem nicht den scharfen Blick auf alles und jedes, was er zu sehen bekam.

Er beschreibt das Klima der Kanaren – wie schon Entdecker vor ihm – als paradiesisch und geeignet, sämtliche Formen von Unglück und Melancholie zu lindern. Das allerdings habe ich auch sofort gespürt. Aus dem Flugzeug gespuckt, war ich sofort in einem Glückszustand sondergleichen. Nach nur zwei Stunden klebten und juckten meine Augen nicht mehr und ich war ruhig und froh. Das ist übrigens so hinreißend bei Humboldt, dass er sich selbst bei seinen Beobachtungen mit einbezieht. Sich wohl fühlt oder auch nicht, und das mit einfließen lässt in eine Beschreibung die dichter ist, als vieles das ich kenne, gleichzeitig vergnüglich zu lesen. Humboldt ist als ganzer Mensch unterwegs und ein Komiker, wenn es um eigene Ungeschicklichkeiten geht, die er gutmütig zum Besten gibt.

Er wäre gerne auf der Rückreise noch einmal auf die Kanaren zurückgekehrt. Doch dazu kam es nicht. Und er beschreibt den Abschied von Teneriffa und dem mächtigen Teide mit einem Bedauern, das auch ich gespürt habe, auch wenn ich meine Woche fast nur krank im Bett verbracht hatte.