Das habe ich schon mal gemacht, und fand es schon mal eine gute Idee: Ein Heft, das alle Bücher, die auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gekommen sind, mit drei, vier Seiten samt Autor_innen vorstellt. Gefunden habe ich es in der Städtischen Bilbliothek, DER Bibliothek, wenn ihr mich fragt, der AGB in Kreuzberg. Und ja, das ist einfach eine Sause, hier und da hereinzulesen, um einen Eindruck vom jeweiligen Sound zu bekommen, von den Geschichten oder den Dingen, die die Autor_innen aktuell bewegen. Geschenkt, dass ich, was die Shortlist angeht, vielleicht anders gewählt hätte. Ich bin erst mal einfach froh, eine Möglichkeit zu haben, auf Papier Neuerscheinungen durchzustöbern. Im Café, am Tisch, mit einem Bleistift in der Hand.
Und dann kommt eigentlich keine Überraschung, sondern die bereits lange geahnte Wahrheit ans Licht, dass ich vom aktuellen Büchertrend abgehängt bin. Oder mich wahrscheinlich selbst abgehängt habe. Das ist wie mit der aktuellen Musik. Ich habe tatsächlich keine Ahnung mehr. Ich höre, und verstehe nicht. So ähnlich geht es mir mit vielen der hier vorgestellten Bücher. Ich lese, ich verstehe aber nicht, warum ich da weiterlesen sollte. Und: Achtung! Ich meine nicht, dass die Texte schlecht oder langweilig sind. Sie bewegen mich nicht – oder vielleicht, nicht mehr.
Was passiert da? Ich spüre einen Überdruss an ausgedachten, an der Realtität abgeglichenen Geschichten. Ich spüre gleichzeitig einen Überdruss an absichtlich verkomplizierten Geschichten, die an der Realität abgeglichen sind, an aufgestockter Sprache oder auch an Zeitzeug_innen-Berichten aus Krisenregionen der Welt. Das ist meine Wahrnehmung, und ich bin tatsächlich unangenehm überrascht. Aber ich habe keine Lust, das zu lesen.
Mir fällt auf, das ich mich gerne beim Lesen mit der erzählenden Stimme verbünde. Das ich es mag, jemandem zuzuhören, die oder der ähnlich auf Welt reagiert wie ich. Das ist eine schlichte Leserinnenerwartung, ich weiß. Aber ich versuche, ehrlich zu sein. Es gab selten Bücher mit Stimmen, die ich unsympathisch fand, und die ich trotzdem gelesen habe. Es gab auch immer wieder Bücher, die ich kalt fand, aber die Sprache so sehr mochte, dass ich nur deshalb weiter gelesen habe.
Mir fällt auch auf, dass ich auf Überraschungen aus bin. Und ich denke, es sind sprachliche Überraschungen und nicht so sehr der Plot, der eine unerwartete Wendung nimmt. Oder Perspektiven, die plötzlich wechseln. Obwohl letzteres oft einen sehr eigenen Reiz hat. Mir fällt auch auf, dass ich mich von Stimmungen sehr schnell einfangen lasse, und dass es mir offensichtlich schwer fällt, von unangenehmen Stimmungen Abstand zu nehmen, sobald ich das Buch zuklappe. Wobei. Schwere Kost geht schon. Eher nicht der voyeuristische Grusel.
Mein Favorit ist Markus Thielemann mit „Vom Norden rollt ein Donner“. Wenn ich Zeit habe, schaue ich noch einmal, warum eigentlich. Habt Ihr Euch schon entschieden? Oder wartet Ihr ab, wie die Jury-Entscheidung ausfällt?