Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Alleine verreisen

Ich habe extra noch einmal nachgeschaut: am 11. August war die Entscheidung gefallen, eine Woche im Dezember zu verreisen. Alleine. Und möglichst ans Ende meiner Alltagswelt. Nicht, dass ich einen besonders weiten Radius habe. Ich wollte für eine Woche nicht wirklich ans Ende der Welt. Aber irgendwo hin, wo so wenig wie möglich los ist […]

Nach dem Fieber

Eigentlich war es eine Woche Urlaub. Aber es fügte sich nun mal so, dass es eine Woche Fieber wurde. In der Mitte der Woche hatte ich einen großen Traum vom eigenen Sterben. Jetzt fühle ich mich wie ans Ufer geschwemmt nach einem Schiffsbruch. „Du musst dein Leben ändern!“

Ach ja.

Gibt es etwas, was ich dieses Jahr gelernt habe? Die Frage steht mir früher oder später in jedem Dezember vor Augen. Nix zu machen. Die kommt. Und dann schaue ich zurück, und sehen meistens nur Dinge, die ich immer wieder versemmele. Ich kann gut nicht-lernen. Aber diesmal kam eine Antwort: Ich muss nicht. Klingt wie […]

Der schöne Zufall.3

Es war nicht gerade ein Zufall, und zunächst auch kein wirklich schöner, als Dirk vor gut 10 Jahren von Berlin Kreuzberg nach Ottobrunn zog. Die Arbeit, die Kinder, gute Gründe, aber eine echte Umstellung. Schön für uns, dass er es nicht beim leise Trauern um die verlorenen Großstadtfreiheiten beließ. Sondern sich um Ottobrunn bemühte. Und […]

Der schöne Zufall.2

Heimweg Diese riesigen Räume der Nacht werden weniger wohnlich mit den Jahren. Du unbekümmerter Sammler silberner Mercedessterne schlingerst ein wenig verloren —————- durch diese prächtige Altbauwohnung. Immer ein Pils und ein Korn. Floß der Medusa. Greif zu, bevor sie sich selber trinken. Ist nirgendwo Rettung? Kein Küstenlicht? —————– Kein Fingerzeig der Gestirne? Da! wie aus […]

Der schöne Zufall.1

Den nämlich gibt es auch. Und tatsächlich eher, wenn ich mich nicht durch den Tag hetze. Neulich zum Beispiel am Kölner Hauptbahnhof. Bei Reisen bin ich vorsichtig. Ich komme früh zur Abfahrt, damit Unvorhergesehenes noch Platz hat. Ich bin dann immer etwas hektisch (bloß keine Durchsage verpassen!), gleichzeitig habe ich Zeit für nichts Bestimmtes. Gerne […]

Jetzt bloß keinen Fehler machen!

Der Satz muss schon millionenfach durch meinen Kopf gegangen sein. Mal laut, mal leise, oft mehr so im Hintergrund, vielleicht kaum verständlich. Was, wenn ich mich irre? Ist seine Schwester. Aber mit Fragezeichen nicht so bohrend und drängend wie der Fehler-Satz. Heute morgen stand er mir plötzlich komplett ausbuchstabiert vor Augen. Ohne dazugehörigem Problem. Nur […]

Herbst

Schon liegt Staub Auf Deinen Lippen. Und die Herztür knirscht, wenn ich Deinen Raum darin öffne. Groß und lebendig Standest Du vor mir Im Garten Bei den Rosen Am Zaun. Jetzt liegst du grau In pulsierender Erinnerung. Papierdünn. Dass ich kaum wage, Dich länger anzusehen.

Guilty pleasure

Ich hatte gerade einen richtigen AHA-Moment. Also eine Tür öffnete sich, wo eben noch dicke Wand – und vor allem kein Weiterkommen war. Und jetzt ist zwar alles so wie vorher, in einem anderen Licht jedoch sieht es eben nicht nur anders, sondern viel, viel besser aus. Es gibt nämlich Phasen, in denen ich viel […]