Let’s talk about music. đŸŽ§

So ein Rechner kann ganz schön schlau sein: Musik, das weiß er, kommt ĂŒber die Ohren. Und gleich reicht er mir Kopfhörer, denn meine Wohnung ist nicht nur klein, sondern auch hellhörig.

Hören ist auch gleich das Problem. Dann zumindest, wenn ich ĂŒber Musik reden oder schreiben will. Bilder bleiben stehen. Selbst Kinofilme lassen sich Bild fĂŒr Bild anhalten. Nicht so Musik. Sie ist da. Oder weg. Allein sichtbar als Partitur. Was mir nix nĂŒtzt, weil ich Partituren nicht lesen kann.

Neulich habe ich mich gefragt, ob die Darstellung in Wellen wie in einem Schnittprogramm mir das Sprechen ĂŒber Musik erleichtern könnte. Weil hier die Dauer und die IntensitĂ€t von Tönen (fĂŒr mich als Laien) direkter sichtbar sind als in einer Notenschrift. Über die wellenförmigen Muster zumindest kann ich mir leichter Sounds oder musikalische Abschnitte vorstellen als mit jeder anderen GedankenstĂŒtze. Vielleicht wĂ€re das sogar mal einen Versuch wert – ?

Warum ich mich einmal mehr mit der Frage beschĂ€ftige, was sich ĂŒber Musik sagen lĂ€sst (oder wie es am Besten gehen könnte), liegt daran, dass ich gerade zwei MusikbĂŒcher auf meinem Nachttisch liegen habe. Einmal die Beethoven-Biografie von Martin Geck und ein GesprĂ€ch zwischen Haruki Murakami und dem Dirigenten Seiji Ozawa. In beide BĂŒcher habe ich kurz reingelesen. Bei beiden spĂŒre ich VergnĂŒgen und Unvermögen zugleich. Denn egal, um welche Musikkomposition es dort geht, ich kann nur bis zu einem gewissen Punkt folgen. Ich habe die Musik nicht im Kopf. Ich mĂŒsste nebenher immer wieder reinhören. Und – ehrlich – selbst dann vergesse ich schnell, was akustisch vorgefallen ist.

Dennoch wĂŒnsche ich mir dringend BĂŒcher, in denen es um Musik geht. Vielleicht sind sogar fiktionale Texte (die natĂŒrlich in Bezug auf Musik gar nicht so fiktional sein können) die besseren Formate. Weil man sich dort vielleicht eher trauen wĂŒrde, die Musik, um die es geht, zu beschreiben. Ich habe tatsĂ€chlich eine Szene aus einem Roman von Haruki Murakami im Kopf, wo sich der Ich-ErzĂ€hler als Junge mit seiner damaligen Schulfreundin nachmittags trifft, um Platten zu hören. Wie geht es Euch? Redet Ihr (gerne) ĂŒber Musik? Oder kennt Ihr BĂŒcher, in denen spannend ĂŒber Musik geschrieben ist?

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir hĂ€ufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, KerntĂ€tigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch wĂ€hrend ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurĂŒckschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 17

    • Stephanie Jaeckel 22. Januar 2018

      Na, hier beißt sich die Katze aber in den Schwanz. Wer Musik nicht lesen kann, hat eben von den interessantesten MusikbĂŒchern nix. Ich habe es, vielleicht nicht redlich genug, probiert. Nicht umsonst liegt eine Partitur zeitgenössischer Musik bei mir zu Hause rum. Bei YouTube bieten sie selten einmal Partituren an, wo der Verlauf angezeigt wird. Aber das geht mir dann wiederum zu schnell. Ist aber schon mal was. Vielleicht bleibt es ein mĂŒĂŸiges Unterfangen oder ein seltener Moment, wenn man Menschen trifft, mit denen man sich ĂŒber Musik verstĂ€ndigen kann. Mal sehen, was meine beiden BĂŒcher auf dem Nachttisch bringen.

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      • finbarsgift 22. Januar 2018

        Ich verstehe dich!

        Und dennoch kann man ĂŒber Musik nicht wirklich schreiben, man muss sie hören um sie verstehen zu können…

        Die einzig mögliche Intensivierung, eine Art Revelation des puren Musikhörens, ist „das Ursprungsbuch dieser Musik“ (mit)zulesen, also die Partitur…

        Liebe MorgengrĂŒĂŸe vom Lu

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  1. mannigfaltiges 22. Januar 2018

    Be/Geschriebene Musik höre ich nicht im inneren Ohr (außer natĂŒrlich so Schlagerzeugs wie den Bolero). Ich muss da auch jedesmal nachhören. Apropos Bolero, das kleine BĂŒchlein von Echenoz ĂŒber Ravel hat mich schwer begeistert. Alex Ross, The Rest is Noise, fĂŒhrte mich eigentlich erst an die moderne Musik heran. Und natĂŒrlich HĂ€rtlings Musikerbiographien. Bei MusikstĂŒcken reichen mir oft die Zeitungskritiken – und da ist auch meist das Auge am rollen.Im Netz gab es mal eine Serie ĂŒber die Klaviersonaten von Beethoven, die war Klasse, Finde sie aber leider nicht mehr.
    Ansonsten mischt sich Dein Blechkumpel ganz schön in Dein Leben ein… 😉

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  2. marillenbaererzahlt 22. Januar 2018

    Bei Musik kommt es bei der Wirkung eben umso mehr auf das evozierte entstandene GefĂŒhl an. Sowohl Literatur als auch Kinofilme laufen gewissermaßen horizontal ab. Die GefĂŒhle, die der Autor oder Regisseur entstehen lassen möchte, mĂŒssen linear entstehen, damit am Ende das GefĂŒhl vollstĂ€ndig vermittelt wird. Musik dagegen verlĂ€uft in der Wirkung vertikal. Das heißt alle Stimmen zusammen geben in einem klitzekleinen Moment schon die gesamte Wirkung, die erzielt werden soll, ab. So erklĂ€re ich mir, dass es deutlich schwerer ist, Musik und ihre Wirkung in Worte zu fassen als es das beispielsweise bei Literatur ist. In BĂŒchern hat man eine gewisse Zeitspanne, in der die Wirkung aufgebaut wird, in der Musik ist sie sofort, ab dem ersten Ton, da.
    Und zum „im-Kopf-behalten“ ist mein Tipp: TatsĂ€chlich plakativ die SinneseindrĂŒcke mitschreiben, seien sie noch so absurd oder albern. Schön formulieren kann man spĂ€ter immer noch, aber fĂŒr die Erinnerung sind „ab Takt 28 wie ein Schwarm Enten ĂŒber dem FLuss in eisiger KĂ€lte“ oder „Mittelteil: marschĂ€hnlich und imposant wie eine Herde Elefanten“ deutlich einfacher 🙂

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    • Stephanie Jaeckel 22. Januar 2018

      Jein, Literatur und Filme laufen auch vertikal, jedenfalls wenn sie nicht ganz platt sind. Musik wiederum verlĂ€uft eben auch horizontal, denn sie „ereignet“ sich ebenfalls in der Zeit. Aber es stimmt natĂŒrlich, dass vieles hier aufeinander steht, was die Wirkung einer bestimmten „Stelle“ ĂŒberhaupt erst ausmacht. Andersherum sind BezĂŒge und Echos auch in Musik wichtige Bausteine. In BĂŒchern gibt es tatsĂ€chlich jenen berĂŒhmten ersten Satz, der alles schon enthĂ€lt, was auf den nĂ€chsten Seiten folgt und der sprachlich so gelungen ist, dass es einen aus den Puschen haut. Vielleicht ist es mit der Musik so schwer, dass wir als Laien eben nur die SinneseindrĂŒcke schnappen, nicht aber die Komposition. Mein Musikerfreund Tomas beschreibt oft, wie zeitgenössische Kompositionen zum Beispiel genial komponiert sind, dann aber nur mĂ€ĂŸig hörbar. Oder dass wir viele Kniffe nicht hören können, obwohl sie gelesen geradezu genial sind. Interessant auch, dass er darauf besteht, die Zwölftonigkeit könnten wir meist gar nicht hören. Dennoch ist Dein Tipp gut, beim Hören quasi mitzuschreiben. Probiere ich mal: Vielen Dank!

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      • marillenbaererzahlt 22. Januar 2018

        NatĂŒrlich stimme ich dem zu, dennoch ist das „Grundprinzip“ von Musik eben so, dass ein Handlungsstrang (in diesem Fall eine Melodie, ein Motiv, ein Thema) nicht durch seine lineare Anordnung, sondern durch seine Begleitung und den Gesamtzusammenhang erkennbar wird, wĂ€hrend man beim Lesen die Aneinanderreihung von Wörtern braucht. Aber klar: gute Filme und BĂŒcher sind ebenfalls vielschichtig und somit horizontal:-)
        Und da ich musikalisch tatsĂ€chlich gar nicht so laienhaft bin, kann ich dir sagen: Ja, das stimmt mit den genialen Kompositionen auf dem Papier!!! Wenn du auf der Suche nach dafĂŒr beispielhaften StĂŒcken bist, empfehle ich dir die Sinfonien von Schostakowitsch, da sind so dermaßen viele Chiffren und ausgeklĂŒgelte „RĂ€tsel“ drin, dass mir das LĂ€cheln aufgeht, wenn ich sie schriftlich nachvollzogen habe und dann anschließend auch höre 🙂

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  3. de Chareli 23. Januar 2018

    Das Murakami-Buch fand ich total enttĂ€uschend! Hier ein paar Ideen fĂŒr Werke, die ich sehr spannend fand:

    Geck, Martin: Mozart. Eine Biographie.
    HĂ€rtling, Peter: Schumanns Schatten.
    Vaget, Hans Rudolf: Seelenzauber. Thomas Mann und die Musik.
    Harnoncourt, Nikolaus: Musik als Klangrede.
    Claussen, Johann Hinrich: GottesklÀnge. Eine Geschichte der Kirchenmusik
    HĂ€rtling, Peter: Schubert

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    • Stephanie Jaeckel 24. Januar 2018

      Ich bin mal gespannt. Von Martin Geck habe ich ja das Beethoven-Buch. Ich hoffe einfach, dass es gut ist. Murakami – Ozawa, jaaaa, ich habe das erste Kapitel gelesen und fand es leider sehr oberflĂ€chlich. Es mag aber auch daran liegen, dass eine Art Interview am Ende doch das falsche Format ist. Ich bin mir noch nicht sicher.

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  4. de Chareli 23. Januar 2018

    Die o.a. Werke habe ich allesamt mit großem VergnĂŒgen gelesen und mir dann gleich die erwĂ€hnten Werke gehört. Die Musiksammlung ist rasant gewachsen, aber das ist ganz wunderbar, weil ich ĂŒber die i.a. Klassiket zu anderen Komponisten, etwa Fux, Buxtehude, Czerny, Fanny Mendelssohn gestoßen bin und mir viele neue Ideen fĂŒr meinen Musikblog in den Schoß gefallen sind.

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    • Stephanie Jaeckel 24. Januar 2018

      Klar, ich höre natĂŒrlich auch die StĂŒcke, ĂŒber die geschrieben wird. Aber manchmal komme ich da kaum noch mit. Was immer hĂ€ngen bleibt, ob mir ein StĂŒck zugĂ€nglich wird oder nicht. Allerdings kann ich das am Besten, wenn ich völlig unvorbereitet im Konzert sitze. Da habe ich eigentlich die grĂ¶ĂŸtmögliche Offenheit fĂŒr neue StĂŒcke.

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      • de Chareli 24. Januar 2018

        Oh, das geht mir ganz anders. Ich höre viele StĂŒcke zurerst an Hand einer Einspielung VOR dem Konzert, um zu wissen, wo ich was hören kann, gerade bei Kompositionen ab 1900. Besonders wenn ich dann drĂŒber schreibe, muss ich Hausaufgaben machen. Sonst verpasse ich das Beste/Schönste/Wichtigste bei der Live-Veranstaltung.

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        • Stephanie Jaeckel 24. Januar 2018

          Da sind wir offensichtlich sehr verschieden. Ich schreibe Ausstellungsrezensionen, und auch da bereite ich so wenig wie möglich vor. Ich will vor Ort ĂŒberrascht, gepackt, begeistert oder enttĂ€uscht werden. Ich bestehe darauf, dass die Ausstellung das kann, ohne dass ich mit mehr als meinem anstudierten Wissen darein gehe. Ich bereite dann akribisch nach. NatĂŒrlich gehe ich bestens vorbereitet in Interviews, falls ich welche geplant habe. Das bin ich meinen GesprĂ€chspartner/innen schuldig. – Genauso verfahre ich bei Konzerten. Wo ich als Laie reingehe. Entweder, die Musik dort bewegt mich, oder was auch immer. Oder es war ein schlechtes Konzert. Auch hier bereite ich nach. D.h. falls ich eine Aufnahme habe, höre ich sie noch einmal. Manchmal wird ein Konzert aus der Berliner Philharmonie auch noch einmal an einem spĂ€teren Abend gesendet – und dann gibt es ja immer noch die fantastische Amerika Gedenkbibliothek. Ich habe GlĂŒck, und gehe oft mit einem Pianisten ins Konzert oder mit einer Musikwissenschaftlerin. Sie können meine EindrĂŒcke sehr gut in Worte fassen, die mir nicht zur VerfĂŒgung stehen. Auf diese Weise lerne ich eine Menge.

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